Dienstag, 9. Oktober 2007

Tom Waits



Auf MTV und ähnliche Kanäle war Tom Waits während seiner langjährigen Musikerkarriere nie angewiesen. Teenagern würde er wahrscheinlich auch nie glaubhaft rüberbringen, dass nicht er, sondern das Piano besoffen sei.

Karrierebeginn: rauchige Kneipen, kratzende Stimme, sentimentale Melodien, eingängig und sehr leicht zu verdauen; bis er 1983 das Album "Swordfishtrombones" veröffentlichte.

Seitdem wühlt sich Tom Waits musikalisch durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und kürt das zum Instrument, was andere beim Schrotthändler abgeben. Von Bedeutung war nach eigener Aussage von Waits die Verehelichung mit Kathleen Brennan im Jahr 1980, denn nicht nur privat geben die zwei ein Team ab, sondern auch künstlerisch.

Tom Waits produziert allerdings nicht ausschließlich reine Audio-Genüsse. Neben den Musicals "Frank's Wild Years" (1987) und "The Black Rider" (1993) hat er einen Haufen Filmmusik komponiert, u.a. für "Dead Man Walking" oder "The End Of Violence". Damit nicht genug, Tom Waits tritt selber vor die Kamera. 1978 übernahm er eine kurze Rolle in Sylvester Stallones "Paradise Alley" und seitdem kamen zahlreiche Auftritte, legendär vor allem in Jim Jarmuschs "Down By Law", wo er als Radio-DJ in den Knast wandert, um mit einem verrückten Italiener (Roberto Begnini) und einem Zuhälter auszubrechen und sich auf eine Odyssee durch die Sümpfe zu begeben.

Bedauerlicherweise beglückt Tom Waits seine Fans nur äußerst selten mit Live-Auftritten. Seit die L.A.-Kneipenzeit rum ist und er abgeschieden lebt, ist er auch in den Staaten kaum noch zu sehen, in Europa sieht es noch viel schlechter aus.

Mit dem Album "Mule Variations" heimste er 1999 in der Sparte Blues einen Grammy für das "beste zeitgenössische Folkalbum" ein und vergrößerte mit der nachgewachsenen Indie-Generation seine reiche Fangemeinde.

2002 erscheinen mit "Alice" und "Blood Money" gleich zwei neue Waits-Alben am selben Tag. Beide sind hauptsächlich mit akustischen Instrumenten aufgenommen und stammen aus der Feder von Tom Waits und seiner Frau Kathleen. "Alice" allerdings ist in Wirklichkeit so neu nicht: die Songs gehen auf das gleichnamige Musical zurück, das Waits zehn Jahre zuvor mit dem Regisseur Robert Wilson im Hamburger Thalia Theater uraufgeführt hatte. Bei den Neuaufnahmen im Studio konnte Waits auf prominente Hilfe bauen, u.a. saß der Ex-Police-Drummer Stewart Copeland an den Fellen.

Ohne Klavier, aber wieder mit neuem Material meldet er sich 2004 mit "Real Gone" wieder. Mit dabei sind neben seiner Frau auch Gitarrist Marc Ribot, Primus-Bassist Les Claypool und Sohnemann Casey.

Danach streitet Waits erst mal mit diversen Autoherstellern. Zuletzt legt er sich im Frühjahr 2005 wegen eines Tom Waits-Doubles in einem Spot mit Opel an. Zuvor hatte er Audi wegen unrechtmäßiger Verwendung eines seiner Stücke verklagt, und auch mit Lancia gab es einen Konflikt. "Wenn ich einen Opel, Lancia oder Audi stehlen, meinen Namen draufsetzen und ihn dann wieder verkaufen würde, käme ich ins Gefängnis", ärgert sich Waits. "Aber da drüben fragen sie, ich sage Nein, und sie holen sich Imitatoren."

Erst Ende 2006 steht neues Material in Aussicht, dafür gleich im Dreierpack mit 30 neuen Songs und 24 Raritäten bzw. Kollaborationen aus "Film, Literatur und Musik". "Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards" heißt die Triologie, die im November in die Läden kommt, und deren Teile auch einzeln erhältlich sein sollen. Teil eins, "Brawlers" enthält einer Labelankündigung zufolge "boogies, riotous blues und garage rock", auf "Bawlers" erwarten den Hörer "lonesome ballads about the sadness at the end of the road", auf "Bastards" muss er mit "experimental music and scary tales" rechnen. (www.laut.de)

Videos mit Tom Waits
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