Mittwoch, 10. Oktober 2007

Jacques Tati



Jacques Tati (bürgerlich Jacques Tatischeff; 1907 - 1982) war ein äußerst eigenwilliger französischer Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur. Mit der von ihm entwickelten und dargestellten Figur des Monsieur Hulot eroberte er sich einen bedeutenden Platz in der Filmgeschichte, und das mit insgesamt nur fünf langen Spielfilmen. Als Schauspieler bediente er sich der Mittel der Pantomime und Slapstick und erwies sich in der Gestalt des Monsieur Hulot als unermüdlicher Zivilisationskritiker.

Als Regisseur war Tati – auch wenn er inhaltlich oft die gute alte Zeit beschwor – seiner Zeit weit voraus und beeindruckte durch den einfallsreichen Einsatz moderner filmtechnischer Mittel. Er war ein Einzelgänger, der die völlige künstlerische Kontrolle über seine Filme anstrebte. Darin, und in seinem Hang zum Perfektionismus, ist er auf dem Gebiet der Filmkomik am ehesten mit Charles Chaplin und Buster Keaton vergleichbar.

Jacques Tati kam von der Bühne. Er hatte Erfolg mit pantomimischen Szenen, in denen er Sportarten und Reisen mit verschiedenen Verkehrsmitteln parodierte, und tauchte Anfang der 1930er-Jahre erstmals im Kurzfilmen auf, etwa als Tennis-Champion.

1947 gelang Tati der Durchbruch mit seinem ersten selbst geschriebenen und inszenierten Langfilm „Jour de fête“ („Tatis Schützenfest“), gleichzeitig dem ersten französischen Farbfilm.



Sein zweiter Film „Les Vacances de Monsieur Hulot“ („Die Ferien des Monsieur Hulot“) spielt in einem Urlaubsort am Meer und zeigt zum ersten Mal Tatis Alter Ego Hulot, einen liebenswürdigen Individualisten mit Hut und langer Pfeife, der sich in permanentem Kampf mit den Tücken der modernen Zivilisation und den neuzeitlichen Umgangsformen befindet. Der Film gewann 1953 den Louis-Delluc-Preis, das Drehbuch wurde 1956 für den Oscar nominiert. Ein wesentliches Kennzeichen für Tatis Filme war der fast vollständige Verzicht auf Sprache. Die Hauptfigur Monsieur Hulot, die einen tollpatschigen Antihelden verkörpert, gibt so gut wie kein verständliches Wort von sich. Dialoge gehen meist entweder in lauten Hintergrundgeräuschen unter oder sind bis auf wenige Wortfetzen zur vollständigen Unverständlichkeit verstümmelt.

In „Mon Oncle“ („Mein Onkel“) hat es Monsieur Hulot mit dem supertechnisierten Haus der Familie seiner Schwester, seinem Unvermögen im Umgang damit, seiner speziellen Beziehung zu seinem Neffen und den Tücken des Objektes zu tun. Der Film gewann den Spezial-Preis der Jury beim Cannes Film Festival 1958, den Preis der französischen Filmkritiker 1958 und den Oscar als bester fremdsprachiger Film 1959.

Der Erfolg ermutigte Tati zu seinem größten Projekt. Für „Playtime“ (1967) ließ Tati ein riesiges Stadtteil-Set mit Hochhäusern außerhalb von Paris bauen (Tativille). Hier irrt Hulot in einem Paris herum, das nur aus Wolkenkratzern und Büroblocks zu bestehen scheint, auf der Suche nach einem Treffen mit einem Monsieur Girard. Playtime war außerordentlich teuer und aufwändig. Tati drehte auf 70-mm-Film, die Produktionszeit betrug 3 Jahre, das Budget lag zwischen fünf und zwölf Millionen Francs. Trotz brillantem Produktionsdesign, visionärer Kamera und exzellenter Presse (dänischer Bodil-Filmpreis 1969) scheiterte „Playtime“ an den Kinokassen.

Aufgrund der Schulden, die „Playtime“ hinterließ, musste Tati in „Trafic“ (1971) wieder Hulot in den Mittelpunkt des Films stellen; etwas, das er eigentlich vermeiden wollte. Im Film versucht er einen Auto-Prototyp rechtzeitig zu einer Automobilmesse zu bringen.

Tati konnte seinen Bankrott nicht mehr abwenden und zog sich langsam vom Filmgeschäft zurück. Nach „Trafic“ folgte nur noch 1974 ein fürs schwedische Fernsehen produzierter Zirkusfilm für Kinder mit dem Titel „Parade“.

1977 wurde Tati mit einem Ehren-César der Académie des Arts et Techniques du Cinema ausgezeichnet.

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