Mittwoch, 10. Oktober 2007

Carl Orff



Orff war sehr früh schon vom Zusammenspiel von Musik, Sprache und Bewegung begeistert. Seine Tochter, Godela, erzählte später von einem einschneidenden Erlebnis Orffs in den 20er-Jahren: "Er wurde mitgenommen zu so einem Tanzabend von dieser Mary Wigman. Und das muss ihn umgehauen haben. Da ist etwas ganz entscheidendes passiert: Er sah Tanz ohne Begleitmusik, dann sah er Tanz nur mit Trommel, also nur mit Rhythmus. Da merkte er: Eines der Urphänomene ist der Rhythmus."

Zusammen mit einer Künstlerin und Gymnastiklehrerin gründete Orff eine Schule für Gymnastik, Musik und Tanz. Hier entstand das Konzept einer elementaren Musik. Orff beschrieb sie so: "Die grundlegende Musik, die zu den Elementen gehört, die zusammengesetzt ist aus Ton, Wort und Gebärde."

Auf dieser Grundlage entwickelte Orff das sogenannte Schulwerk. Es sollte bei der musikalischen Früherziehung von Kindern und Jugendlichen helfen. Orff nutzte dafür eine Reihe von Schlag- und Melodie-Instrumenten. Sie gingen als Orff-Instrumente in die Musikgeschichte ein.

1934 stieß Carl Orff durch Zufall auf mittelalterliche Handschriften mit lateinischen und deutschen Liedern aus dem Kloster Benediktbeuern: die Carmina Burana. Orff erinnerte sich später: "Beim Aufschlagen der ersten Seite fand ich die längst berühmt gewordene Abbildung der Fortuna mit dem Rad. Darunter die Zeilen: 'O Fortuna / velut luna / statu variabilis.' Sofort stand ein neues Werk, ein Bühnenwerk mit Sing- und Tanzchören, nur den Bildern und Texten folgend, in Gedanken vor mir."

Die Texte aus dem 13. Jahrhundert handeln von Trink- und von Liebeslust. Orff wählte rund 20 von ihnen aus und vertonte sie. Die Uraufführung im Juni 1937 in Frankfurt am Main war ein überragender Erfolg. Seinem Verleger teilte Orff danach mit, alles, was er vor den Carmina Burana geschrieben habe, könne nun eingestampft werden.

Was Orff vor seinem Tode mit 86 Jahren nicht mehr erfuhr: Die Carmina Burana sollten so populär werden, dass sie sogar für Schokoladenwerbung herhalten mussten. (www.mdr.de)

  • Bühnenwerke
    • Der Mond, ein kleines Welttheater (1939)
    • Die Kluge (1943)
    • Ein Sommernachtstraum (1952, endgültige Fassung 1962)
  • Bairisches Welttheater
    • Die Bernauerin (1947)
    • Astutuli, eine bairische Komödie (1953)
  • Osterspiel
    • Comoedia de Christi Resurrectione (1956)
  • Weihnachtsspiel
    • Ludus de nato Infante mirificus (1961)
  • De temporum fine comoedia, Vigilia (1973, Neufassung 1977)
  • Trionfi
    • Carmina Burana (1937)
    • Catulli Carmina (1943)
    • Trionfo di Afrodite (1953)
  • Bearbeitungen
    • Claudio Monteverdis Klage der Ariadne, Orpheus (1925, Neubearbeitung 1940)
    • Entrata für Orchester, nach „The Bells“ von W. Byrd (1928, Neufassung 1941)
  • Antike
    • Antigone (1949)
    • Oedipus der Tyrann (1959)
    • Prometheus (1968)
  • Orff-Schulwerk: Musik für Kinder (zusammen mit Gunild Keetmann) (1930–35, Neufassung 1950–54)
  • Filmmusik
    • 1973 wählt der damals noch unbekannte Regisseur Terrence Malick für seinen ersten Spielfilm „Badlands - Zerschossene Träume“ ein Stück aus Orffs Schulwerk als Haupt- und Abspannmusik aus: „Musica Poetica / Gassenhauer“ aus „4 Stücke für Xylophon“. Die sanften und harmonischen Xylophonklänge stehen im krassen Gegensatz zu der Blutspur, die die beiden Hauptdarsteller Martin Sheen und Sissy Spacek auf ihrem Weg durch die „Badlands“ ziehen - und doch geben sie (die Klänge) dem Film eine ungeahnte Tiefe und Schönheit.
    • 1981 - Der Film „Excalibur“ verwendet den rhythmischen Chorgesang „O Fortuna“ aus Orffs „Carmina Burana“, wenn zum Höhepunkt des Films die Ritter in die entscheidende Schlacht ziehen. Hierdurch wird die Musik des deutschen Komponisten einer breiten Öffentlichkeit in aller Welt bekannt gemacht. Zeitgenössische Filmkomponisten nehmen nun bewusst Anleihen bei Orff und setzen diesen Stil in weiteren Filmen ein, wie z.B. Basil Poledouris in „Conan der Barbar“ (1982).
    • 1993 - Der deutsche Filmkomponist Hans Zimmer verwendet das Thema aus „Musica Poetica“ noch einmal für den Film „True Romance“. Er ist eine Hommage an den 20 Jahre zuvor entstandenen Film „Badlands“ - ebenso wie die Musik.
    • 2000 - Im Film „Forrester – Gefunden!“ sieht man Sean Connery zu dem oben erwähnten Xylophonstück aus „Musica Poetica“ auf einem Fahrrad durch New York radeln.


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